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Ratgeber

Schulsystem Schweiz einfach erklärt: Stufen, Kantone, Wege

Von Lara, Nachhilfelehrerin in Zürich, , 9 Minuten Lesezeit

Ein einheitliches Schweizer Schulsystem gibt es nicht. Die 26 Kantone regeln ihre Schulen selbst, und was in Zürich Sek A heisst, heisst in Schaffhausen Sekundarschule und im Aargau Bezirksschule. Der Aufbau ist aber fast überall gleich. Hier findest du die Stufen, die Bezeichnungen in zwölf Kantonen, die Wege nach der obligatorischen Schule und was für Familien gilt, die neu in die Schweiz ziehen. Stand September 2026; verbindlich sind die Angaben deines Kantons.

Überblick: die Stufen der Schweizer Schule

Die obligatorische Schule heisst Volksschule und dauert elf Jahre. Sie ist öffentlich und kostenlos. Die meisten Kantone haben sich im HarmoS-Konkordat auf denselben Aufbau geeinigt, und auch viele Kantone ohne Beitritt folgen ihm.

StufeDauerAlter etwaWas dort passiert
Kindergarten2 Jahre4 bis 6Einstieg in die Schule, spielerisch
Primarschule6 Jahre6 bis 12Lesen, Schreiben, Rechnen, erste Fremdsprachen
Sekundarstufe I (Oberstufe)3 Jahre12 bis 15Aufgeteilt in Leistungszüge, je nach Kanton anders benannt
Sekundarstufe II2 bis 4 Jahreab 15Berufslehre, Mittelschule oder Gymnasium

Die Westschweiz zählt anders: Kindergarten und Primarschule heissen dort zusammen 1P bis 8P, die Oberstufe 9 bis 11. Gemeint ist dasselbe. Eine echte Ausnahme ist das Tessin mit fünf Jahren Primarschule und vier Jahren Scuola media. Stichtag für den Schuleintritt ist in den meisten Kantonen der 31. Juli: Wer bis dahin vier Jahre alt wird, kommt im Sommer in den Kindergarten.

Kindergarten und Primarschule

Im Kindergarten lernen die Kinder, in einer Gruppe zu arbeiten, zuzuhören und Aufgaben selbständig zu erledigen. Lesen und Rechnen im eigentlichen Sinn beginnen in der Primarschule. Ab welcher Klasse es Noten gibt, ist je nach Kanton verschieden.

Die Notenskala geht in der Deutschschweiz von 1 bis 6. Die 6 ist die beste Note, die 4 ist genügend. Das gilt auch in der Romandie und im Tessin, nur der Bereich unter 4 ist dort teils anders eingeteilt. Wer aus Deutschland kommt, muss umdenken: Eine 5 ist in der Schweiz eine gute Note.

Im Kanton Zürich ist sie seit einer Volksabstimmung von 2011 die Unterrichtssprache im Kindergarten, ab der Primarschule ist es Hochdeutsch. Auf dem Pausenplatz bleibt es Schweizerdeutsch. Kinder aus dem Ausland lernen also zwei Varianten derselben Sprache gleichzeitig.

Die Oberstufe: jeder Kanton nennt sie anders

Nach der 6. Klasse wird zum ersten Mal sortiert. Das ist früher als in vielen anderen Ländern und für zugezogene Familien oft die grösste Überraschung. Überall gibt es einen anspruchsvolleren und einen grundlegenderen Zug, manchmal einen dritten. Die Namen sind verschieden:

KantonLeistungszüge der OberstufeWie eingeteilt wird
ZürichSek A, B, teils C; in Mathe und Sprachen teils Stufen I bis IIIGesamtbeurteilung der Lehrperson, Entscheid mit den Eltern
SchaffhausenRealschule und SekundarschuleZuweisungsgespräch, danach entscheidet die Schulbehörde
BernRealschule und Sekundarschule, teils spezielle SekundarschuleÜbertrittsbericht und Gespräch, ohne Einigung Kontrollprüfung
AargauRealschule, Sekundarschule, BezirksschuleEmpfehlung der Lehrperson, keine Prüfung
St. GallenRealschule und SekundarschuleGesamteinschätzung der Lehrperson, Deutsch und Mathe
LuzernJe nach Gemeinde getrennt oder integriert, Niveaus A, B, CGemeinsamer Entscheid von Eltern, Kind und Lehrperson
Basel-StadtSekundarschule mit den Zügen A, E, PZeugnis der 6. Klasse, freiwillige Prüfung für einen höheren Zug
ThurgauSekundarschule mit Typ G und E, Niveaus in Mathe und FremdspracheAntrag der Lehrperson, bei Uneinigkeit Prüfung
ZugWerkschule, Realschule, SekundarschuleGemeinsamer Entscheid, sonst Übertrittskommission
TessinScuola media, ab dem 3. Jahr Kurse A und B in Mathe und DeutschKeine Einteilung, alle wechseln in die Scuola media
WaadtVoie prégymnasiale (VP) und voie générale (VG)Noten der 8P und kantonale Tests
GenfCycle d’orientation mit R1 bis R3, danach Sections LS, LC, CTNoten der 8P in Französisch und Mathe

Eine Prüfung für den Übertritt gibt es in den meisten Kantonen nicht. Entscheidend sind die Einschätzung der Lehrperson und die Noten, besonders in Deutsch und Mathematik. Für Eltern heisst das: Das Gespräch in der 5. und 6. Klasse zählt. Fragt früh nach, wie die Lehrperson euer Kind einschätzt, nicht erst im Frühling. Und: Die Einteilung ist nicht endgültig. Ein Wechsel in den anspruchsvolleren Zug ist während der Oberstufe möglich.

Ans Gymnasium: früh oder nach der Sek

Das Gymnasium führt zur Matura, dem Abschluss für Universität und ETH. Es gibt zwei Wege. Das Langgymnasium beginnt direkt nach der 6. Primarklasse und dauert sechs Jahre, zum Beispiel in Zürich, Luzern und Zug, in St. Gallen an einer Schule. In den meisten Kantonen und in der ganzen Romandie und im Tessin gibt es das nicht: Dort geht man nach der Oberstufe ans Gymnasium, das dann in der Regel vier Jahre dauert.

Auch die Aufnahme regelt jeder Kanton selbst. Zürich, Schaffhausen, St. Gallen und Thurgau prüfen Deutsch und Mathematik, St. Gallen zählt seit 2026 auch die Vornoten. Luzern nimmt ins Langgymnasium nach Noten auf, ohne Prüfung. Im Aargau reichen gute Noten in der Bezirksschule, in Bern zuerst die Empfehlung der Sek-Lehrpersonen. In der Waadt und in Genf führt der anspruchsvollste Zug der Oberstufe ohne Prüfung weiter.

Für Zürich stehen Termine, Anmeldung und Vornoten im Artikel zur Gymiprüfung 2027, der Zeitplan für die Vorbereitung unter Ab wann Gymivorbereitung?. Wer erst kürzlich in die Schweiz gezogen ist: Die Prüfung ist für alle gleich, und der Aufsatz wird auf Deutsch geschrieben. Der Weg über die Sek gibt dem Kind zwei oder drei Jahre mehr Zeit für die Sprache.

Nach der Sek: Lehre, BMS, FMS, HMS oder Gymnasium

Nach der obligatorischen Schule beginnen viele Jugendliche eine Berufslehre. Sie arbeiten in einem Lehrbetrieb und besuchen an einem oder zwei Tagen pro Woche die Berufsfachschule. Das ist in der Schweiz kein zweiter Rang, sondern für viele der bewusst gewählte Weg, und er führt bis an die Hochschule.

WegDauerAbschlussFührt weiter zu
Berufslehre EBA2 JahreEidgenössisches BerufsattestLehre mit EFZ
Berufslehre EFZ3 oder 4 JahreEidgenössisches FähigkeitszeugnisHöhere Berufsbildung, mit BM an die Fachhochschule
BMS während der Lehre (BM 1)Parallel zur Lehre, 1 bis 1,5 Schultage mehr pro WocheEFZ und BerufsmaturitätFachhochschule, mit Passerelle Universität
BMS nach der Lehre (BM 2)1 Jahr Vollzeit oder 1,5 bis 2,5 Jahre berufsbegleitendBerufsmaturitätFachhochschule, mit Passerelle Universität
Fachmittelschule (FMS)3 Jahre, mit Fachmaturität 1 Jahr mehrFachmittelschulausweis, FachmaturitätHöhere Fachschule, Fachhochschule, pädagogische Hochschule
Handelsmittelschule (HMS)3 Jahre Schule und 1 Jahr PraxisKauffrau oder Kaufmann EFZ mit BerufsmaturitätFachhochschule, Berufseinstieg
Informatikmittelschule (IMS)3 Jahre Schule und 1 Jahr PraxisInformatikerin oder Informatiker EFZ mit BerufsmaturitätFachhochschule, Berufseinstieg
Gymnasiummindestens 4 JahreGymnasiale MaturaUniversität, ETH, alle Hochschulen

Die Passerelle ist eine Ergänzungsprüfung für alle mit Berufs- oder Fachmaturität. Wer sie besteht, darf an jede Universität und an die ETH, wie mit einer gymnasialen Matura. Für Jugendliche, denen der direkte Schritt in eine Lehre schwerfällt, gibt es Brückenangebote, oft ein zehntes Schuljahr. Kurz: Der Übertritt in der 6. Klasse ist wichtig, aber er entscheidet nicht über das ganze Leben.

Beispiel Zürich: Sek A, B und C im Detail

Im Kanton Zürich ist A die anspruchsvollste Abteilung. In Mathematik, Deutsch, Französisch und Englisch kann es drei Anforderungsstufen geben, I ist die anspruchsvollste. Ein Kind kann also in B sein und Mathematik trotzdem auf der höchsten Stufe haben. Im ersten Sek-Jahr gibt es drei Termine für einen Wechsel der Abteilung, danach zwei pro Jahr.

Neu in der Schweiz: wie euer Kind eingeschult wird

Nach dem Umzug meldet ihr euer Kind bei der Schulverwaltung eurer Gemeinde an, und zwar sofort. Wie es weitergeht, regelt jeder Kanton und oft jede Gemeinde selbst. Im Kanton Zürich gilt:

  • Regelklasse mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ): Euer Kind besucht von Anfang an eine normale Klasse und bekommt zusätzlich intensiven Deutschunterricht. Das ist der häufigste Weg.
  • Aufnahmeklasse: In einigen Gemeinden gehen Kinder der 2. bis 9. Klasse zuerst in eine Aufnahmeklasse. Dort lernen sie vor allem Deutsch. Der Aufenthalt ist auf ein Jahr beschränkt.
  • Einstufung nach Alter: Die Schule teilt euer Kind in der Regel der Klasse seiner Altersstufe zu. Fehlende Deutschkenntnisse allein sind kein Grund für eine tiefere Klasse. Gibt es pädagogische Gründe, stuft die Schule höchstens ein Jahr tiefer ein.

Wenn euer Kind in der 5. oder 6. Klasse ankommt, ist der Zeitpunkt heikel. Der Übertritt in die Oberstufe steht bevor, und die Lehrperson beurteilt ein Kind, das die Sprache noch lernt. Sprecht das im ersten Gespräch offen an. Fragt, wie die Lehrperson den Sprachstand bei der Einschätzung berücksichtigt und was ihr zu Hause tun könnt.

Was anders ist als in Deutschland und anderswo

ThemaSchweizHäufig anderswo
Noten6 ist die beste Note, 4 genügendIn Deutschland ist 1 die beste Note
Erste AufteilungNach der 6. KlasseIn den meisten deutschen Bundesländern nach der 4. Klasse
Wer entscheidetMeist Lehrperson und Eltern gemeinsam, selten eine PrüfungOft Noten oder Elternwunsch
Abschluss fürs StudiumGymnasiale Matura, oder Berufsmaturität mit PasserelleAbitur, A-Levels, High School Diploma
BerufslehreFür viele der Normalfall, mit Weg an die HochschuleOft weniger angesehen als das Studium

Die Schule vertraut stark auf die Einschätzung der Lehrperson. Wächst euer Kind mit einer anderen Sprache auf, lohnt es sich, genau hinzuschauen und früh zu fragen.

Ich begleite Kinder aus der Volksschule und aus internationalen Schulen, online und eins zu eins, in Deutsch, Mathematik und Englisch. Das Gespräch mit euch und die Lektionsberichte gehen auch auf Englisch. Mehr dazu auf der Seite Tutoring in English.

Häufige Fragen

Wie ist das Schulsystem in der Schweiz aufgebaut?

Jeder Kanton regelt die Schule selbst, der Aufbau ist aber fast überall gleich: zwei Jahre Kindergarten ab etwa 4, sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Oberstufe, zusammen elf Jahre. Danach folgen Berufslehre, Mittelschule oder Gymnasium. Im Tessin dauert die Primarschule fünf und die Oberstufe vier Jahre.

Was ist der Unterschied zwischen Real, Sek und Bez?

Das sind die Leistungszüge der Oberstufe, je nach Kanton anders benannt. In Schaffhausen, Bern und St. Gallen gibt es Realschule und Sekundarschule, im Aargau zusätzlich die Bezirksschule als anspruchsvollsten Zug. In Zürich heissen sie Sek A, B und C, in Basel-Stadt A, E und P.

Muss mein Kind nach dem Umzug eine Klasse wiederholen?

In der Regel nicht. Im Kanton Zürich teilt die Schule neu zugezogene Kinder der Klasse ihrer Altersstufe zu. Fehlende Deutschkenntnisse allein sind kein Grund für eine tiefere Klasse, und tiefer eingestuft wird höchstens um ein Jahr. Andere Kantone regeln das ähnlich, fragt bei eurer Gemeinde nach.

Wann kann mein Kind ans Gymnasium?

In einigen Deutschschweizer Kantonen wie Zürich, Luzern und Zug schon nach der 6. Klasse ins Langgymnasium. Überall sonst nach der Oberstufe, dann dauert das Gymnasium in der Regel vier Jahre. Ob es eine Prüfung gibt oder die Noten entscheiden, legt der Kanton fest.

Was ist der Unterschied zwischen BMS, FMS und HMS?

Die BMS führt zur Berufsmaturität, entweder während der Lehre oder danach, Vollzeit in einem Jahr oder berufsbegleitend. Die FMS ist eine Vollzeitschule von drei Jahren etwa für Berufe in Gesundheit, Sozialem oder Pädagogik, mit einem Jahr mehr zur Fachmaturität. Die HMS verbindet drei Jahre Schule mit einem Praxisjahr und endet mit dem EFZ als Kauffrau oder Kaufmann und der Berufsmaturität.

Der erste Schritt darf leicht sein

Erzähl mir, wo dein Kind gerade feststeckt. Danach entscheidet ihr in Ruhe.

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"Nach der Probestunde hat sie selbst gefragt, wann die nächste ist."
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Lara mit Tablet in ihrem Arbeitszimmer in Zürich

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