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Ratgeber

Mein Kind versteht Mathe nicht: Ursachen und was hilft

Von Lara, Nachhilfelehrerin in Zürich, , 8 Minuten Lesezeit

"Sie versteht es einfach nicht." Diesen Satz höre ich von Eltern oft. Meistens steckt dahinter kein Mangel an Begabung, sondern ein Baustein, der nie richtig gesessen hat. Hier erkläre ich, welche Lücken in der Primarschule am häufigsten sind, wie ihr sie zu Hause erkennt, wann Nachhilfe hilft und wann etwas anderes dahintersteckt.

Zuerst: das ist häufig und sagt nichts über Intelligenz

Mathematik baut aufeinander auf wie kaum ein anderes Fach. Wer Stellenwert nicht verstanden hat, scheitert am Zehnerübergang. Wer den Zehnerübergang nicht sicher kann, scheitert am schriftlichen Rechnen. Wer Brüche nicht versteht, versteht später Prozent nicht. Eine Lücke in der 2. Klasse zeigt sich deshalb oft erst in der 4. oder 5., wenn der Stoff darauf aufbaut.

Eltern beschreiben das als Kurve: "Bis zur dritten Klasse ging es gut, danach wurde es immer schlechter." Das Kind hat in der Zwischenzeit nichts verlernt. Es fehlt ein Fundament, das jetzt Gewicht tragen muss. Das ist häufig. Und es ist behebbar. Mit Intelligenz hat es nichts zu tun. Kluge Kinder sind sogar gut darin, eine Lücke lange zu verstecken, weil sie Wege drum herum finden, bis die Wege nicht mehr reichen.

Wichtig für euch als Eltern: Der Satz "Ich kann kein Mathe" ist eine Schlussfolgerung des Kindes, keine Diagnose. Er entsteht, wenn ein Kind mehrfach erlebt hat, dass es etwas nicht versteht, das die anderen zu verstehen scheinen. Diesen Satz kann man umdrehen, aber nicht mit Zureden, sondern mit einer Aufgabe, die das Kind selbst löst.

Die vier typischen Lücken der Primarschule

In der Arbeit mit Kindern der 1. bis 6. Klasse sehe ich immer wieder dieselben vier Stellen, an denen der Faden reisst.

Stellenwert und Zehnerübergang. Das Kind rechnet 8 plus 5 an den Fingern und kommt auf 13, aber es weiss nicht, warum aus den zwei Zahlen ein Zehner und drei Einer werden. Beim schriftlichen Addieren schreibt es den Übertrag mal hin, mal nicht. Beim Rechnen mit Hundertern und Tausendern verrutschen die Stellen. Das ist die Lücke, die am tiefsten liegt. Sie stammt oft aus der 1. oder 2. Klasse.

Minusrechnen. Plus hat das Kind verstanden, bei Minus wird geraten. 42 minus 7 wird zu 45, weil das Kind die kleinere Zahl von der grösseren abzieht, egal in welcher Reihenfolge. Oder es zählt rückwärts an den Fingern und verzählt sich um eins. Minus ist für viele Kinder schwerer als Plus, weil man sich etwas Wegnehmen vorstellen muss. Und weil die Reihenfolge plötzlich eine Rolle spielt.

Brüche. Ein halber Kuchen ist klar, ein Drittel auch. Aber dass ein Viertel kleiner ist als ein Drittel, obwohl vier grösser ist als drei, das ist für viele Kinder der Moment, in dem Mathematik unlogisch wird. Wer hier nicht sicher wird, hat später Mühe mit Dezimalzahlen, Prozent und Verhältnissen. Brüche sind der Baustein, den ich in der 5. und 6. Klasse am häufigsten neu aufbaue.

Textaufgaben und die Aufgabenstellung lesen. Das Kind kann rechnen, aber es weiss nicht, was es rechnen soll. "Ein Mädchen hat dreimal so viele Sticker wie ihr Bruder. Zusammen haben sie 24." Das Kind rechnet 24 mal 3, weil "dreimal" im Text steht. Die Lücke liegt hier nicht im Rechnen, sondern im Übersetzen von Sprache in eine Rechnung. Das ist auch der Grund, warum manche Kinder in Mathe schlechter werden, sobald die Aufgaben länger werden.

Woran ihr erkennt, welche Lücke es ist

Drei Fragen, die ihr am Küchentisch ausprobieren könnt. Wichtig: ruhig, ohne Zeitdruck und ohne zu korrigieren, während das Kind denkt. Ihr wollt nicht das Ergebnis sehen, sondern den Weg.

  • Frage 1, für den Stellenwert: "Was ist 47 plus 8?" Und dann: "Wie hast du das gerechnet?" Wenn das Kind erklärt, dass es zuerst auf 50 geht und dann noch 5 dazu, sitzt der Zehnerübergang. Wenn es zählt oder rät, liegt die Lücke hier.
  • Frage 2, für Brüche: "Was ist mehr, ein Drittel oder ein Viertel von diesem Kuchen?" Wer sofort "ein Viertel" sagt, weil vier mehr ist als drei, hat Brüche als Zahlen noch nicht verstanden. Wer zögert und dann richtig antwortet, ist auf dem Weg.
  • Frage 3, für Textaufgaben: Lest eine Sachaufgabe aus dem Mathebuch vor und fragt: "Was wird hier gefragt? Erzähl es mir in deinen Worten." Wenn das Kind die Frage nicht in eigenen Worten sagen kann, liegt die Lücke beim Lesen der Aufgabe, nicht beim Rechnen.

Wenn ihr nicht sicher seid, ist das kein Problem. Genau das ist der Zweck einer Probestunde bei mir: Das Kind löst Aufgaben und sagt dabei laut, was es denkt. So sehe ich, wo der Faden reisst. Du bekommst danach eine schriftliche Einschätzung, in der steht, welche Lücke ich sehe und was ich empfehle.

Warum "mehr üben" oft nicht hilft

Der erste Reflex ist verständlich: mehr Aufgabenblätter, mehr Wiederholen, eine App. Wenn das Fundament fehlt, übt das Kind dabei aber den Fehler mit. Wer 42 minus 7 falsch rechnet, weil er die Reihenfolge nicht versteht, rechnet nach zwanzig Aufgaben zwanzigmal falsch und ist überzeugter denn je, dass er kein Mathe kann.

Das ist auch der Grund, warum Eltern sagen: "Alles, was wir uns im Vorfeld mühevoll erarbeitet haben, ist in der Prüfung wie weggeblasen." Das Kind hat den Weg für eine bestimmte Aufgabe auswendig gelernt, nicht das Prinzip dahinter. Sobald die Prüfungsaufgabe anders aussieht, ist der Weg weg.

Üben hilft, sobald das Prinzip verstanden ist. Dann festigt es. Vorher verfestigt es. Die Reihenfolge ist deshalb: zuerst den Baustein finden, dann ihn neu aufbauen, mit Material, mit Bildern, mit Sprache. Und erst dann üben. Das dauert am Anfang länger als ein Aufgabenblatt, spart aber Monate.

Und noch etwas: Wenn das Erklären zu Hause regelmässig im Streit endet, ist das kein Versagen von euch. Viele Eltern sagen mir, sie seien "an ihre Grenzen gestossen". Das ist normal. Ein Elternteil ist nicht die richtige Person, um dreimal hintereinander geduldig dasselbe anders zu erklären, weil zu viel Beziehung im Raum ist. Genau dafür gibt es jemanden von aussen.

Wann es etwas anderes sein könnte

Nicht jede Schwierigkeit in Mathematik ist eine Lücke. Bei manchen Kindern liegt eine Rechenschwäche vor, eine Dyskalkulie. Das ist eine Diagnose, die eine Fachperson stellt, nicht ich. Anzeichen können sein, dass ein Kind auch in der 3. oder 4. Klasse noch alle Mengen abzählt, Zahlen bis 20 nicht als Ganzes erfasst oder sich Zahlen nicht auf einem Zahlenstrahl vorstellen kann, trotz viel Übung und guter Erklärung.

Ist das der Fall, bin ich nicht die richtige Adresse für die Grundlagen. Dann braucht das Kind zuerst eine Abklärung, zum Beispiel über die Schule oder den schulpsychologischen Dienst. Je nach Ergebnis braucht es eine spezialisierte Therapie. Nachhilfe kann danach begleiten, ersetzt die Therapie aber nicht. Das sage ich in der Einschätzung offen, wenn ich es sehe.

Eine zweite Möglichkeit: Das Problem liegt beim Lesen. Wenn ein Kind bei reinen Rechnungen sicher ist und nur bei Textaufgaben scheitert, ist Mathematik vielleicht gar nicht das Thema. Dann lohnt sich der Blick auf das Leseverständnis. Auch das zeigt sich in der Probestunde, weil ich das Kind die Aufgabe laut lesen und in eigenen Worten wiedergeben lasse.

Wie ich mit Kindern der 1. bis 6. Klasse arbeite

Online, eins zu eins, über Google Meet, mit dem Lehrmittel und den Aufgaben deines Kindes. Die erste Lektion beginnt nicht mit Erklären, sondern mit Zuhören: Das Kind löst eine Aufgabe und sagt dabei, was es denkt. Dort, wo der Faden reisst, fange ich an.

Dann bauen wir den Baustein neu auf. Bei Stellenwert mit Bündeln und Zeichnungen, bei Brüchen mit geteilten Flächen, bei Textaufgaben mit dem Satz "Erzähl mir die Aufgabe". Rechenwege entstehen auf dem geteilten Bildschirm, für beide sichtbar. Das Kind rechnet auf Papier mit und hält es in die Kamera. Erst wenn das Prinzip sitzt, üben wir. Und zwar mit den Aufgaben, die in der Schule gerade dran sind.

Nach jeder Lektion bekommst du eine kurze Zusammenfassung: was wir gemacht haben, was klappt, was als Nächstes kommt. Bei jüngeren Kindern in der 1. und 2. Klasse sage ich offen, ob Online-Unterricht für dieses Kind passt; nicht jedes Kind kann in diesem Alter 60 Minuten am Bildschirm arbeiten. Mehr dazu steht auf den Seiten zur Mathe-Nachhilfe in Zürich und zur Nachhilfe in der Primarschule. Was eine Lektion kostet, steht auf der Preisseite.

Häufige Fragen

Mein Kind versteht Mathe nicht. Ist es einfach unbegabt?

Fast nie. Meistens fehlt ein Baustein, zum Beispiel der Stellenwert oder die Brüche. Alles, was darauf aufbaut, wackelt. Das ist häufig und behebbar. Kluge Kinder verstecken eine Lücke oft lange, bis der Stoff darauf aufbaut.

Mein Kind versteht den Zehnerübergang nicht. Was kann ich tun?

Fragt: "Was ist 47 plus 8? Wie hast du gerechnet?" Wenn das Kind zählt oder rät, fehlt das Verständnis für Stellenwert. Dann hilft kein Aufgabenblatt, sondern Material: Zehnerbündel, Zeichnungen, laut erklären. Erst wenn das Prinzip sitzt, üben.

Mein Kind versteht Textaufgaben nicht, kann aber rechnen. Woran liegt das?

Die Lücke liegt beim Übersetzen von Sprache in eine Rechnung, nicht beim Rechnen. Lasst das Kind die Aufgabe in eigenen Worten erzählen, bevor es rechnet. Kann es die Frage nicht sagen, lohnt sich auch ein Blick auf das Leseverständnis.

Bringt Nachhilfe bei Dyskalkulie etwas?

Dyskalkulie ist eine Diagnose, die eine Fachperson stellt. Liegt sie vor, braucht das Kind zuerst eine Abklärung und meist eine spezialisierte Therapie. Nachhilfe kann danach begleiten, ersetzt die Therapie aber nicht. Wenn ich Anzeichen sehe, sage ich es in der Einschätzung offen.

Ab welcher Klasse ist Online-Nachhilfe in Mathe sinnvoll?

Ab der 3. oder 4. Klasse arbeiten die meisten Kinder allein mit mir. In der 1. und 2. Klasse hängt es vom Kind ab: Es braucht einen ruhigen Platz, kurze Aufgaben und ein Elternteil in Rufweite. Nach der Probestunde sage ich dir, ob es für euer Kind passt.

Der erste Schritt darf leicht sein

Erzähl mir, wo dein Kind gerade feststeckt. Danach entscheidet ihr in Ruhe.

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"Nach der Probestunde hat sie selbst gefragt, wann die nächste ist."
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